DFWR: Waldumbau, Waldbrandmonitoring, Früherkennung, Wasserrückhalt und Infrastruktur müssen zusammenspielen

Die aktuellen Waldbrände im Westen Deutschlands haben erneut gezeigt, wie wichtig das Engagement der Menschen vor Ort ist.  Christian Haase, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) dankt ausdrücklich allen haupt- und ehrenamtlichen Einsatz- und Rettungskräften sowie den zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die bei der Bekämpfung der Brände und zum Schutz der Bevölkerung im Einsatz sind.

„Mich haben die Bilder der vielen Helferinnen und Helfer an den Waldbrandstandorten am Wochenende und in den vergangenen Tagen schwer beeindruckt. Mein besonderer Dank gilt allen haupt- und ehrenamtlichen Einsatz- und Rettungskräften sowie den zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfern. Die Bilder dieses Wochenendes haben einmal mehr gezeigt: Der ländliche Raum steht zusammen, wenn es darauf ankommt. Diese Solidarität und Einsatzbereitschaft verdienen unsere höchste Anerkennung – gerade, weil viele der Helferinnen und Helfer dabei ihre eigene Gesundheit und ihr Leben riskieren.“

Die Ereignisse zeigen zugleich, dass sich die Bedingungen für unsere Wälder deutlich verändern. Der Klimawandel schreitet schneller voran, als unsere Wälder umgebaut werden können und schneller, als sich Waldökosysteme selbst an die veränderten Bedingungen anpassen können. Deutschland muss deshalb davon ausgehen, dass Waldbrände künftig häufiger auftreten und dauerhaft eine Herausforderung bleiben. Da nahezu alle Waldbrände durch menschliches Handeln verursacht werden, bleiben Aufklärung und die Beachtung bestehender Risikohinweise entscheidend. Eine zentrale Konsequenz ist der Ausbau von Waldbrandmonitoring und Früherkennung. Hierbei können auch die Länder unterstützen. Dabei geht es ausdrücklich nicht um Kritik an den örtlichen Einsatz- und Sicherheitsbehörden.

„Die Einsatzkräfte vor Ort leisten unter teilweise extremen Bedingungen hervorragende Arbeit. Die Dynamik und Geschwindigkeit, mit der sich Brände entwickeln können, stellen jedoch auch erfahrene Einsatzstrukturen vor enorme Herausforderungen“, so Haase. „Je früher ein Waldbrand erkannt und bekämpft wird, desto größer ist die Chance, dass aus einem Entstehungsbrand kein Großbrand wird.“

Gleichzeitig ist der Waldumbau eine zentrale langfristige Anpassungsaufgabe. Klimaangepasste Wälder müssen standortgerecht, artenreich und strukturreich sein und unterschiedliche Altersstufen verbinden. Vielerorts kann dies über natürliche Verjüngung erfolgen. Wo etwa überhöhte Wildbestände diese Prozesse dauerhaft ausbremsen, müssen entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Da Waldumbau und Wiederbewaldung Jahrzehnte dauern, bleiben insbesondere Kalamitäts- und Wiederbewaldungsflächen über längere Zeiträume besonders sensibel.

Zum Vorsorgepaket gehört auch ein stärkerer Wasserrückhalt im Wald. Dort, wo frühere Entwässerungsstrukturen unter den heutigen klimatischen Bedingungen einem sinnvollen Wasserrückhalt entgegenstehen, muss neu gedacht werden. Technische und naturnahe Lösungen sollten stärker in die Fläche gebracht und der Wissenstransfer zwischen Ländern und Regionen verbessert werden. Viele Waldbesitzer sind bereit, entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Geeignete Förderangebote können diese Entwicklung unterstützen. Beispiele aus der forstlichen Praxis, wie sie beispielsweise das Forstliche Bildungszentrum Hachenburg in Rheinland-Pfalz mit verschiedenen Maßnahmen umsetzt und zeigt, machen bereits heute deutlich, welch breites Spektrum an Optionen für einen verbesserten Wasserrückhalt im Wald bestehen.

Darüber hinaus braucht es eine leistungsfähige Waldbrandinfrastruktur mit befahrbaren Forstwegen, Löschwasserentnahmestellen und gut ausgebildeten Einsatzkräften. Waldbrandschutz muss dabei regional differenziert erfolgen. Der DFWR begrüßt es daher  ausdrücklich, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium nach den vergangenen Hitzeperioden umfangreiche Forschungsvorhaben zum Waldbrandschutz beauftragt hat. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse müssen genutzt werden, um die Waldbrandvorsorge in Deutschland gezielt weiterzuentwickeln.

„Waldbrandvorsorge und Waldbrandbekämpfung sind eine komplexe Aufgabe, für die es keine einzelne Lösung gibt. Waldumbau, Monitoring und Früherkennung, angepasste Waldstrukturen, Wasserrückhalt, Infrastruktur und gut ausgebildete Einsatzkräfte müssen ineinandergreifen. Gerade weil Waldumbau und Wiederbewaldung Jahrzehnte dauern, brauchen wir dieses umfassende Maßnahmenpaket auch für die Übergangszeit. Der Wald ist unter den heutigen Bedingungen zunehmend auch Teil unserer kritischen Infrastruktur. Wir müssen deshalb langfristig denken und gleichzeitig heute die Voraussetzungen schaffen, um Waldbrände möglichst zu verhindern, früh zu erkennen und wirksam zu bekämpfen.“ hält Haase abschließend fest.

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) ist die Stimme für rund zwei Millionen private und öffentliche Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, die die Fläche von etwa 11,4 Millionen Hektar Wald in Deutschland nachhaltig pflegen und bewirtschaften. Die Mitgliedsorganisationen des DFWR vertreten den Privat-, Staats- und Körperschaftswald, die Forstwissenschaft, die mit der Forstwirtschaft verbundenen berufsständischen Verbände und weitere mit der Erhaltung und Förderung des Waldes und der Forstwirtschaft befasste Organisationen.